Geschichten


Martina

Martina kam 2006 ins Fördercentrum Mensch & Pferd. Vermittelt wurde sie über ein Kinderheim, in dem sie bis dahin lebte. Martina hatte bereits ein wenig Erfahrung mit  Pferden und wünschte sich, auch beruflich in diesem Bereich arbeiten zu können. Zu Beginn der Maßnahme war sie eher ruhig und schüchtern, nach einiger Zeit taute sie allerdings auf. Am Ende ihrer Zeit bei uns, war das Durchsetzen ihrer eigenen Interessen eine ihrer vielen Stärken. Das Internatsleben hat sie sehr gut gemeistert. Mit ihren Kollegen hat sie ein gutes Verhältnis gehabt. Auch mit den Mitarbeitern kam sie zurecht. In der Freizeit war sie immer für eine Tasse Tee und ein nettes Pläuschchen zu haben.
Martina hat sich bei uns ein großes Stück Selbstständigkeit erarbeitet, die ihr bis heute sehr wichtig ist. Nach erfolgreichem Abschluss der Maßnahme arbeitete sie in einem Westernstall, entschied sich dann aber eine Stelle in einem Turnierstall anzunehmen. Dort arbeitete und lebte sie 7 Jahre. In dieser Zeit schaffte sie es, ihren Autoführerschein zu machen.
Nach diesen 7 Jahren zog es Martina weiter, sie suchte sich selbstständig eine neue Stelle als Pferdepflegerin. Nach einigen Monaten kam sie aber zurück nach Bielefeld. Mit Unterstützung des Fördercentrums konnte sie zunächst eine vorübergehende Anstellung in einem sehr kleinen Stall finden, bevor sie ein Arbeitsplatzangebot als Pferdepflegerin bekam. Ihren jetzigen Arbeitgeber kennt Martina noch aus ihrer Zeit im Turnierstall. Im privaten Bereich lebt sie derzeit (ambulant betreut) in einer Wohngemeinschaft, wird aber demnächst eine eigene Wohnung beziehen. Des Weiteren geht sie wieder zur Fahrschule und macht ihren Anhängerführerschein.
Da Martina besonders sparsam ist, hat sie sich jetzt ihr erstes eigenes Auto gegönnt! Martina, wir wünschen dir allzeit gute Fahrt und viel Erfolg für deine Zukunft!

Daniela

Daniela war hat vor 6 Jahren ihre Qualifizierung bei uns abgeschlossen. Sie kommt aus Herford und ist 25 Jahre alt.
Über ihre Zeit im Fördercentrum Mensch & Pferd berichtet Daniela:
„Die Ausbildung im Fördercentrum hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen, es war zwar nicht immer einfach, aber wo ist das schon so?!
Ich jedenfalls habe die Ausbildung durchgezogen und bin da auch sehr stolz drauf. Denn nicht jeder hält eine Ausbildung durch, bzw. bleibt danach in diesem Job!
Es war schon teilweise eine harte und anstrengende Ausbildung, aber ich habe sehr viel gelernt, es hat sich gelohnt und ich bin zufrieden. Wenn man sich für diesen Job entscheidet, muss man ihn auch lieben, gerne machen, immer alles geben und es auch wirklich wollen!!!
Was ich super finde, das man nicht nur den Beruf PferdepflegerIn lernt, sondern auch Dinge für´s selbstständige Leben, wie z.B. Kochen, Wäsche waschen und sortieren, bügeln, wie man mit Geld umgeht, einkaufen, lernt sich durchzusetzen, Teamwork, usw.
Nach meiner Ausbildung war ich ein halbes Jahr in Neuburg an der Donau auf einem Reiterhof. Direkt danach war ich 3 Jahre in einem Dressurstall. Seit dem 11.11.2013 bis jetzt bin ich hier in Regensburg tätig, wo ich auch sehr glücklich bin. Ich habe mich hier in den 2 Jahren gut hochgearbeitet und habe jetzt eine gute Position im Stall, worauf ich sehr stolz bin. Die Einsteller sind alle sehr zufrieden mit mir.
Was wünsche ich mir für die Zukunft? Dass es für mich weiter so gut läuft wie bisher und dass die Leute wissen, was sie an mir haben.“

„Pferdemädchen“

Eines Tages kam  ein junges Mädchen in das Fördercentrum, um hier einen neuen Lebensabschnitt  zu beginnen.
Ein wenig schüchtern, aufgeregt, unsicher aber doch voller Tatendrang. Denn endlich sollte der Kindheitstraum wahr werden: Leben und Arbeiten mit den Pferden.
Natürlich,  so einfach geht es im Leben oft nicht und es lagen erst einmal viele Monate Ausbildung  Pferdepflege vor ihr. Mit Allem was das Leben so bietet. Wunderschöne Momente mit den Pferden;  wunderschöne  Momente in der Gruppe mit vielen anderen  jungen Menschen, die das gleiche  Ziel hatten;  wunderschöne  Momente mit Pädagogen, Ausbildern, Lehrern und auch anderen Beteiligten.
Aber natürlich auch das Gegenteil. Die Pferde sind zu wild, die Pädagogen zu streng (Wischen muss man auch noch), die Ausbilder viel zu pingelig (ewig muss gefegt werden) und die Lehrer wollen wirklich nur „unnützes Zeug“ vermitteln.
Aber allen Widrigkeiten zum Trotz hat,  nennen wir sie mal „Pferdemädchen“, es geschafft.  Die Prüfung  zur „Pferdepflegerin FN“  bestanden und vieles mehr erlernt, um Ihr Leben in  die Hand zu nehmen.
Als ersten Schritt gab es ein ordentliches Fahrrad. Dann bekam „Pferdemädchen“  mit unserer Hilfe einen Arbeitsplatz in einem wirklich tollen Turnierstall. Hier konnte sie nun endlich all das erleben, was  sie schon immer wollte  – als Turnierpflegerin.
Ein weiteres Teilziel war geschafft, aber um mobiler zu sein, sparte „Pferdemädchen“ auf einen Roller. Und siehe da, nach kürzester Zeit kam sie uns besuchen  –  mit Roller.
Wir merken schon: „Pferdemädchen“ war nicht nur beseelt von ihrer Arbeit mit Pferden, die sie glücklich macht, sondern, und vor allen Dingen, motiviert in jeglicher Hinsicht.
Ein weiteres Teilziel wurde schon sehr rasch in Angriff genommen, denn der Autoführerschein sollte her. Natürlich musste zunächst wieder gespart  und fleißig  gelernt werden. Nach einigen Monaten hat es „Pferdemädchen“ wirklich geschafft und der lang ersehnte Traum vom Autoführerschein wurde wahr. Aber was ist ein Autoführerschein ohne Auto.
Ich glaube wir können uns schon denken, wie die Geschichte weiter geht:

  1. Erreichbare Ziele setzen
  2. Sich intensiv für das Vorhaben einsetzen
  3. Sparen
  4. Geschafft!

Wenn Sie jetzt denken, die Geschichte ist zu Ende, dann weit gefehlt.
Denn wer ein echte Turnierpflegerin  und ein  „Pferdemädchen“ ist, der möchte natürlich nicht nur mit  „seinen“  Pferden zum Turnier fahren, sondern der möchte „seine“ Pferde selbst zum Turnier fahren.
Das war  eine gewaltige Herausforderung, denn wir alle wissen wie kostspielig ein LKW Führerschein ist und welch große Verantwortung auf dem Fahrer eines Transporters liegt, der vielleicht vier bis sechs wertvolle Turnierpferde fährt.
Also ging das Spiel von vorn los:

  1. Erreichbare Ziele setzen
  2. Sich intensiv für das Vorhaben einsetzen
  3. Sparen
  4. Geschafft!

Vielleicht ahnen Sie schon, wie die Geschichte weitergeht.
Es dauerte eine Weile, aber eines Tages, als ich zum Reitturnier mit meinem Transporter fuhr, musste ich an einer engen Stelle der Straße etwas ausweichen, weil mir ein riesiger Pferdetransporter entgegen kam. Und wer fuhr diesen LKW?
Sehr stolz winkend (völlig zu Recht) – „Pferdemädchen“

Dies ist eine wahre Geschichte und sie zeigt uns, was man mit Motivation und Zielstrebigkeit erreichen kann.
Jeder kann das, man muss es nur wollen!

geschrieben von
Klaus Thiesbrummel   –  Ausbildung

Wir könnten noch viele weitere Geschichten erzählen von erfolgreichen Jugendlichen, die ihren Weg in einen Arbeitsplatz und in ein selbstständiges Leben gefunden haben. Wenn ihr uns als ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer eure Geschichte erzählen wollt, damit wir sie hier veröffentlichen, freuen wir uns!